Diagramme und Tabellen im HSG-Aufnahmetest: Aufgabentypen und Fallen
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Im zweiten Teil des HSG-Aufnahmetests wertest du Diagramme und Tabellen aus. Gerechnet wird wenig: Vier Bausteine reichen, nämlich absolute und relative Veränderung, Prozentpunkte, Indexwerte und der gewichtete Durchschnitt. Die Punkte entscheiden sich an anderer Stelle, nämlich an Achsen, Bezugsgrößen und der strengen Regel, dass eine Aussage nur zählt, wenn sie zwingend aus den Daten folgt. Dieser Artikel zeigt die Diagrammtypen, die eingebauten Fallen und eine Leseroutine für den Testtag.
Stand: Oktober 2026. Verbindlich sind die Angaben der Universität St. Gallen. LernVia ist ein unabhängiges Angebot von Studierenden und nicht mit der HSG verbunden. Alle Aufgaben in diesem Artikel sind eigene Beispiele von LernVia, keine Originalaufgaben aus dem Test. Jede Zahl haben wir nachgerechnet.
Was in diesem Testteil geprüft wird
Laut HSG besteht der 70-minütige Online-Eignungstest aus zwei Bereichen: Quantitatives Problemlösen sowie Diagramme und Tabellen. Nach bisheriger Erfahrung unseres Teams umfasst der zweite Bereich 16 Multiple-Choice-Aufgaben in zwei Blöcken zu je acht Aufgaben und 17:30 Minuten. Das sind gut zwei Minuten pro Aufgabe, inklusive Lesen der Grafik.
Komplizierte Statistik brauchst du nicht. Fast alle Aufgaben verlangen eine Mischung aus sechs Fähigkeiten:
- Ablesen: Werte, Einheiten, Achsen, Legenden, Zeiträume
- Vergleichen: absolute Differenzen, relative Veränderungen und Prozentpunkte trennen
- Entwicklungen erkennen: Trend, Wendepunkte, Kurven, die sich annähern oder auseinanderlaufen
- Lage und Streuung: Mittelwert, Median, Quartile, Ausreißer
- Anteile am Ganzen: Marktanteile, Zusammensetzungen
- Logik: sicher ableitbar oder nur möglich?
Die Diagrammtypen und ihre Fallen
Nach unserer Erfahrung kommen Balken-, Linien- und Kreisdiagramme, gestapelte Balken, Diagramme mit zwei y-Achsen, Indexreihen, Histogramme, Streudiagramme, Boxplots und Tabellen vor.
| Typ | Worauf du zuerst schaust | Typische Falle |
|---|---|---|
| Balken und Säulen | Beginnt die Achse bei null? Welche Einheit? | abgeschnittene Achse übertreibt Unterschiede |
| Liniendiagramm | Zeitraum, Abstände auf der x-Achse | höchster Wert mit stärkstem Anstieg verwechseln |
| Kreisdiagramm | Anteile oder absolute Werte? | sinkender Anteil heißt nicht sinkender Wert |
| Gestapelte Balken | Gesamthöhe und Zusammensetzung getrennt lesen | mittlere Segmente haben keine gemeinsame Grundlinie |
| Zwei y-Achsen | Welche Reihe gehört zu welcher Achse? | Balken und Linie optisch vergleichen |
| Index | Basisjahr und Basiswert | Indexwert als absoluten Betrag lesen |
| Histogramm | Klassenbreite, Anzahl oder Anteil auf der y-Achse | Einzelwerte innerhalb einer Klasse ablesen wollen |
| Boxplot | Median, Box, Whisker | Median mit Mittelwert verwechseln |
| Streudiagramm | Achsen, Richtung, Ausreißer | Zusammenhang als Ursache deuten |
Beispiel: abgeschnittene Achse
Eigenes Beispiel: Ein Säulendiagramm beginnt bei 90. Kategorie A reicht bis 100, Kategorie B bis 110. Optisch ist B doppelt so hoch, denn die sichtbaren Säulen sind 10 und 20 Einheiten hoch. Tatsächlich ist B nur um 10 Prozent größer als A. Die Skalierung verändert die Wirkung, nicht die Zahlen.
Beispiel: Niveau oder Steigung
Eigenes Beispiel: Produkt A erzielt in drei Jahren 50, 70 und 85 Mio. CHF Umsatz, Produkt B 80, 90 und 87 Mio. CHF. B hat in jedem Jahr den höheren Umsatz. A ist über den Zeitraum aber um 35 gewachsen, B nur um 7, im letzten Jahr ist B sogar um 3 gesunken. Die Frage „Welches Produkt hat den höchsten Umsatz?“ und „Welches Produkt wächst am stärksten?“ haben verschiedene Antworten.
Beispiel: gestapelte Balken und Anteile
Eigenes Beispiel: Der Gesamtumsatz steigt von 100 auf 200, Produkt X von 40 auf 60. X ist absolut um 20 gewachsen, relativ um 50 Prozent. Sein Anteil am Ganzen ist aber von 40 auf 30 Prozent gefallen. Beide Aussagen stimmen. Welche gefragt ist, steht in der Aufgabe.
Beispiel: Boxplot
Eigenes Beispiel: Zwei Gruppen im Boxplot. Gruppe A: erstes Quartil 25, Median 30, drittes Quartil 40. Gruppe B: erstes Quartil 20, Median 35, drittes Quartil 50. Ableitbar: B hat den höheren Median, und die mittleren 50 Prozent streuen in B stärker (Box 30 statt 15 breit). Mindestens die Hälfte der Werte in B liegt bei 35 oder darüber. Nicht ableitbar: dass der Mittelwert in B höher ist, denn der Boxplot zeigt keinen Mittelwert.
Das nötige Vokabular ist knapp: Die Linie in der Box ist der Median. Die Box umfasst die mittleren 50 Prozent zwischen erstem und drittem Quartil. Die Whisker zeigen den Wertebereich ohne Ausreißer, die genaue Definition kann variieren. Punkte außerhalb gelten als Ausreißer.
Beispiel: zwei y-Achsen
Ein kombiniertes Diagramm zeigt den Umsatz als Balken auf der linken Achse und die Marge als Linie auf der rechten. Schneidet die Linie einen Balken, heißt das nichts. Lies jede Größe auf ihrer eigenen Skala, bevor du vergleichst.
Tabellen lesen, ohne sich zu verlieren
Tabellen wirken einfacher als Diagramme, sind aber oft dichter. Kläre zuerst in etwa zehn Sekunden die Struktur:
- Was steht in den Zeilen, was in den Spalten?
- Wo stehen Summen, meist ganz unten oder ganz rechts?
- Gibt es Fußnoten, Abkürzungen oder ein Basisjahr?
- Sind die Werte absolut, pro Kopf, pro 1.000 oder in Prozent?
Eigene Beispielaufgabe:
| Produkt | Preis (CHF) | Menge 2024 | Menge 2025 |
|---|---|---|---|
| A | 12 | 500 | 600 |
| B | 20 | 300 | 270 |
| C | 8 | 900 | 1.000 |
Frage 1: Wie hoch war der Umsatzanteil von B im Jahr 2025? Frage 2: Um wie viel Prozent ist der Gesamtumsatz gestiegen?
Lösung: Umsatz ist Preis mal Menge. 2025: A 7.200, B 5.400, C 8.000, zusammen 20.600. Anteil B: 5.400 / 20.600 = rund 26,2 Prozent. 2024: A 6.000, B 6.000, C 7.200, zusammen 19.200. Gesamtumsatz: 20.600 / 19.200 = plus rund 7,3 Prozent. Falle: Mengen addieren statt Umsätze. Die Gesamtmenge steigt von 1.700 auf 1.870, also um 10 Prozent, das beantwortet aber nicht die Frage.
Notiere Zwischenwerte wie Summen und Differenzen sofort als kleine Nebenrechnung. Das spart Blicksprünge und verhindert Ablesefehler.
Die vier Rechenbausteine
| Baustein | Rechnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Absolute Veränderung | neu minus alt | von 80 auf 100: plus 20 |
| Relative Veränderung | (neu minus alt) / alt | von 80 auf 100: plus 25 % |
| Prozentpunkte | Differenz zweier Prozentwerte | von 20 auf 35 %: plus 15 Prozentpunkte, relativ plus 75 % |
| Index | Wert / Basiswert × 100 | Index 112 bei Basis 100: plus 12 %; von 110 auf 121: plus 10 % |
Dazu kommt der gewichtete Durchschnitt. Eigenes Beispiel: Filiale X bedient 80 Kunden mit durchschnittlich CHF 25 Umsatz, Filiale Y 20 Kunden mit CHF 40. Der Durchschnitt über beide ist nicht CHF 32,50, sondern (80 × 25 + 20 × 40) / 100 = CHF 28. Die größere Gruppe zieht den Schnitt zu sich.
Sicher ableitbar: die Regel, an der die meisten scheitern
Viele Aufgaben legen Aussagen vor und fragen, welche sich aus den Daten ableiten lassen. Eine Aussage gilt nur, wenn sie zwingend folgt. Plausibel reicht nicht.
Eigenes Beispiel: Gesamtumsatz 2024 200 Mio. CHF, davon 15 Prozent online. 2025 160 Mio. CHF, davon 20 Prozent online. Aussage I: Der Online-Umsatz war 2025 höher. Aussage II: Der Online-Anteil ist um 5 Prozent gestiegen.
Lösung: I ist ableitbar, denn 30 Mio. stehen 32 Mio. gegenüber. Selbst wenn die Anteile auf ganze Prozent gerundet wären, bliebe I richtig. II ist falsch: Der Anteil steigt um 5 Prozentpunkte, relativ um rund 33 Prozent. Richtig ist „nur I“.
Signalwörter, bei denen du stutzen solltest: alle, immer, mindestens, höchstens, im Durchschnitt. Acht ausführliche Beispiele und eine Prüfroutine findest du im Artikel Sicher ableitbar: Die wichtigste Regel im HSG-Aufnahmetest.
Die typischen Fallen im Überblick
| Falle | Woran du sie erkennst |
|---|---|
| Achse startet nicht bei null | Unterschiede wirken größer, als sie sind |
| Prozent statt Prozentpunkte | Anteile in Prozent werden verglichen |
| Aussagen mit alle, jeder, immer | ein Gegenbeispiel genügt zur Widerlegung |
| Steigung statt Niveau | der größte Wert ist nicht der stärkste Anstieg |
| Gerundete Werte | exakte Gleichheiten oder Differenzen sind nicht sicher |
| Korrelation als Ursache | ein Zusammenhang belegt keine Ursache |
| Zwei Skalen | jede Reihe gehört zu ihrer eigenen Achse |
| Verdeckte Basis | Index, pro Kopf oder pro 1.000 erlauben keine absoluten Aussagen |
| Summenzeilen | Teilwert und Gesamtwert werden verwechselt |
| Ungewichteter Durchschnitt | Gruppen unterschiedlicher Größe einfach gemittelt |
Eine Routine, die unter Zeitdruck trägt
- Überblick in fünf bis zehn Sekunden: Titel, Achsen, Legende, Einheit, Zeitraum.
- Frage entschlüsseln: Maximum, Trend, Anteil oder Aussagenprüfung?
- Relevante Daten isolieren: nur die Zeilen, Spalten oder Jahre, die zur Frage gehören.
- Sauber rechnen oder vergleichen: Einheit prüfen, Zwischenwerte notieren.
- Logikcheck: Ist die Aussage zwingend? Können Rundungen sie kippen?
Hast du nach 45 bis 60 Sekunden noch keine Richtung, markierst du die Aufgabe und kommst später zurück. Wie du die Zeit im Block einteilst, erklärt der Artikel Zeitmanagement im HSG-Aufnahmetest.
Zehn weitere Übungsaufgaben mit Lösungen zu beiden Testteilen findest du in unseren Übungsaufgaben zum HSG-Aufnahmetest.
Lieber mit Betreuung und in der Gruppe lernen? In unseren zweitägigen HSG-Intensivkursen in München, Hamburg, Düsseldorf oder online übst du beide Testteile mit uns.
Häufige Fragen
Wie viele Aufgaben hat der Teil Diagramme und Tabellen im HSG-Test?
Die HSG veröffentlicht nur die beiden Bereiche und die Gesamtdauer von 70 Minuten. Nach bisheriger Erfahrung unseres Teams sind es 16 Multiple-Choice-Aufgaben in zwei Blöcken zu je 17:30 Minuten.
Brauche ich Statistikkenntnisse für den HSG-Aufnahmetest?
Nur auf Basisniveau. Du solltest Mittelwert, Median, Quartile und Ausreißer kennen und Histogramme sowie Boxplots lesen können. Rechnen mit Verteilungen ist nach unserer Erfahrung nicht gefragt.
Was ist der häufigste Fehler bei Diagrammaufgaben?
Nach unserer Erfahrung die Verwechslung von Prozent und Prozentpunkten. Dicht dahinter folgen der ungewichtete Durchschnitt und der Schluss von Durchschnittswerten auf einzelne Fälle.
Ist dieser Teil leichter als das Quantitative Problemlösen?
Er ist rechnerisch leichter, aber nicht automatisch einfacher. Punkte gehen hier an Formulierungen und Ableitbarkeit verloren, nicht an der Mathematik.
Wie übe ich Diagramme und Tabellen am besten?
Erst die Leseroutine an einzelnen Grafiken automatisieren, dann unter Zeitdruck arbeiten. Schau nach jedem Durchlauf nicht nur auf die falschen Antworten, sondern auf den Denkweg dahinter.
Dein nächster Schritt
Wo du in diesem Teil stehst, zeigt dir der kostenlose HSG-Probetest. Gezielt üben kannst du mit dem Buch HSG Grafiken und Tabellen, unter Testbedingungen mit den drei HSG-Testsimulationen mit je 16 Aufgaben pro Bereich. Ablauf, Termine 2027 und Lernplan stehen im Hauptartikel HSG-Aufnahmetest 2027.
Über den Autor
Paul Jung studiert an der Universität St. Gallen (HSG) und hat den HSG-Aufnahmetest 2024 unter den besten 4 % bestanden. Er hat LernVia 2025 zusammen mit Tom Schwarte gegründet, der an der London School of Economics studiert. Bei LernVia arbeiten Studierende mit, die das Auswahlverfahren ihrer Hochschule selbst durchlaufen haben.