Predicted Grades für Abiturienten: der komplette Guide für die UCAS-Bewerbung

Wer sich aus Deutschland in UK bewirbt, stößt früh auf einen fremden Begriff: Predicted Grades, also vorhergesagte Abschlussnoten. Für britische Schulen ist das Routine, deutsche Schulen kennen das System oft gar nicht. Genau da entsteht Unsicherheit, und manchmal geraten Bewerbungen ins Stocken. Dieser Guide erklärt, was Predicted Grades sind, warum UK sie braucht, wie sie für dein Abitur konkret zustande kommen, wer sie einträgt und was du tust, wenn deine Schule damit nicht vertraut ist.

Was Predicted Grades sind und warum UK sie braucht

Die UCAS-Fristen liegen Monate vor deinen Abiturprüfungen. Wenn du dich bewirbst, existieren deine echten Abschlussnoten also noch gar nicht. Trotzdem müssen die Unis deine Bewerbung beurteilen. Dafür nutzen sie Predicted Grades: eine begründete Prognose deiner voraussichtlichen Abschlussleistung.

Auf dieser Basis machen die Unis dir in der Regel ein konditionales Angebot, ein "conditional offer". Das bedeutet: Du bekommst den Platz unter der Bedingung, dass du am Ende bestimmte Noten tatsächlich erreichst. Die Predicted Grades öffnen also die Tür, deine echten Noten bestätigen sie später.

Wer die Predicted Grades einträgt

Nicht du. Predicted Grades werden von deiner Referenzperson in die UCAS-Bewerbung eingetragen, in der Regel eine Lehrkraft oder eine koordinierende Person an deiner Schule. Du kannst deine erwarteten Noten nicht selbst angeben, und du solltest sie auch nicht erfinden. Die Auswahlverantwortlichen erkennen unrealistische Prognosen, und ein Angebot, das du nicht erfüllen kannst, bringt dir nichts.

Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass alle deine Fächer und Qualifikationen korrekt in der Bewerbung stehen. Fehlende oder falsche Angaben können ein Angebot später gefährden, selbst nach der Zusage.

Wie dein predicted Abitur konkret aussieht

Für internationale Bewerbende erwarten die Unis zwei Dinge:

  • eine Prognose deines voraussichtlichen Abitur-Gesamtschnitts
  • Prognosen für einzelne relevante Fächer, vor allem deine Leistungskurse, wo ein Fach für den Studiengang verlangt wird

Die gute Nachricht: Du hast eine solide Grundlage, auch wenn es zuerst unmöglich wirkt. Deine Noten aus der Qualifikationsphase geben deiner Lehrkraft genug Anhaltspunkte für eine realistische Prognose. Die Vorhersage sollte ambitioniert, aber ehrlich sein. Manche Unis erwarten sogar hohe Prognosen, weil sie damit rechnen, dass du dich noch steigerst. Trotzdem gilt: Was du am Ende nicht halten kannst, hilft dir nicht.

So funktioniert das conditional offer

Ein Beispiel: Eine Uni verlangt für einen Studiengang umgerechnet einen Abiturschnitt von 1,8. Deine Lehrkraft prognostiziert 1,7. Auf dieser Basis kannst du ein Angebot bekommen, das an das Erreichen von 1,8 oder besser geknüpft ist. Erreichst du die Bedingung im Abitur, wird der Platz bestätigt. Erreichst du sie knapp nicht, entscheidet die Uni, ob sie dich trotzdem nimmt. Deshalb ist es wichtig, dass Prognose und realistische Zielnote zusammenpassen.

Wenn deine Schule das System nicht kennt

Viele deutsche Lehrkräfte haben noch nie Predicted Grades vergeben. Das ist lösbar, wenn du früh und klar kommunizierst:

  • Erkläre, dass es um eine Prognose auf Basis deiner bisherigen Leistung geht, nicht um eine verbindliche Zusage.
  • Weise darauf hin, dass die Unis ohne Predicted Grades deine Bewerbung nicht bearbeiten können. Es gibt keinen Weg drum herum.
  • Biete an, die nötigen Informationen aufbereitet zu liefern, etwa deine aktuellen Kursnoten.

Der Weg als unabhängige Bewerbung

Ist deine Schule kein bei UCAS registriertes Centre, bewirbst du dich als unabhängige Bewerbung. Deine Referenzperson bekommt dann von UCAS einen eigenen Zugang per E-Mail und trägt Referenz und Predicted Grades direkt in das Online-System ein. Wichtig: Deine Bewerbung kann erst abgeschickt werden, wenn diese Angaben vorliegen. Kläre deshalb früh, wer das übernimmt, und plane genug Puffer vor der Frist.

Häufige Fehler

  • Die Lehrkraft zu spät ansprechen, sodass die Frist knapp wird.
  • Nicht alle Fächer und Qualifikationen angeben.
  • Auf unrealistisch hohe Prognosen drängen, die im Abitur nicht zu halten sind.
  • Annehmen, dass die Predicted Grades automatisch entstehen.

Häufige Fragen

Was sind Predicted Grades?

Eine begründete Prognose deiner voraussichtlichen Abschlussnoten, auf deren Basis UK-Unis ihr Angebot machen, bevor deine echten Noten feststehen.

Kann ich meine Predicted Grades selbst eintragen?

Nein. Das macht deine Referenzperson. Du prüfst nur, dass deine Fächer vollständig erfasst sind.

Was ist, wenn meine Schule keine Prognose geben will?

Ohne Prognose kann die Uni deine Bewerbung nicht beurteilen. Erkläre der Lehrkraft früh, dass eine begründete Schätzung auf Basis deiner Noten ausreicht.

Zählen am Ende die Predicted Grades oder mein echtes Abitur?

Beides. Das Angebot beruht auf den Predicted Grades, erfüllen musst du es mit deinen tatsächlichen Abiturnoten.

Was passiert, wenn ich meine Predicted Grades verfehle?

Dann entscheidet die Uni, ob sie dich trotzdem nimmt. Bei knappem Verfehlen ist das möglich, garantiert ist es nicht.

Wie die Referenz insgesamt funktioniert und wer sie schreibt, erklärt der Beitrag Die UCAS-Referenz aus Deutschland. Alle Termine findest du unter UCAS-Fristen für deutsche Bewerbende, den Gesamtüberblick unter Mit Abitur in England studieren.

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