Brexit und Studium in England: was sich für deutsche Bewerbende geändert hat

Ein Studium in England ist nach dem Brexit weiter möglich, und die Bewerbung läuft wie vorher über UCAS. Geändert hat sich vor allem das Geld: Deutsche ohne Settled oder Pre-settled Status zahlen seit dem Studienjahr 2021/22 internationale Studiengebühren, bekommen keine britischen Studienkredite und brauchen ein Studentenvisum. Dazu kommen Reisepass, Visum mit Gesundheitsabgabe und eingeschränktes BAföG. Eine gute Nachricht gibt es auch: Großbritannien kehrt 2027 zu Erasmus+ zurück.

Stand: Oktober 2026. Verbindlich sind die Angaben auf GOV.UK, bafög.de und den Seiten der Hochschulen. Dieser Überblick ersetzt keine Visa- oder Rechtsberatung. LernVia ist unabhängig und nicht mit einer Behörde oder Universität verbunden.

Auf einen Blick: was sich geändert hat

Thema Vor dem Brexit Für den Studienbeginn 2027
Studiengebühren wie britische Studierende internationale Gebühren, je nach Uni und Fach, oft über 30.000 Pfund im Jahr
Studienkredit britischer Tuition Fee Loan möglich in der Regel kein Zugang
Aufenthalt Freizügigkeit Student visa: 558 Pfund plus 776 Pfund Gesundheitsabgabe pro Jahr
Einreise Personalausweis Reisepass, für kurze Besuche zusätzlich ETA
BAföG Vollstudium förderfähig grundsätzlich nur Aufenthalt bis zu einem Jahr
Erasmus+ Programmland Rückkehr 2027 vereinbart
Arbeiten nach dem Abschluss ohne Erlaubnis möglich Graduate Route: 18 Monate bei Antrag ab 1. Januar 2027

1. Studiengebühren: der größte Unterschied

Seit dem Studienjahr 2021/22 haben EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, die nicht unter das Austrittsabkommen fallen, in England keinen Anspruch mehr auf den Home-Gebührenstatus und auf staatliche Studienfinanzierung. Für dich heißt das in der Regel: internationale Gebühren, die jede Uni selbst festlegt. Der staatliche Gebührendeckel für Home-Studierende in England, 9.790 Pfund im Studienjahr 2026/27 und 10.050 Pfund 2027/28, gilt für dich nicht.

Wie groß der Unterschied ist, zeigen die internationalen Gebühren für den Studienbeginn 2027 auf den Kursseiten:

Uni und Studiengang Gebühr pro Jahr
University of York, BA Politics 27.800 Pfund
University of Cambridge, Economics, Law oder History 30.798 Pfund, dazu eine College-Gebühr
University of Exeter, BSc Biological Sciences 32.150 Pfund
LSE, BSc Economics (2027/28) 41.900 Pfund
University of Oxford, PPE oder History 46.210 Pfund
University of Cambridge, Medicine 70.554 Pfund

Ausnahmen gibt es für Personen mit Settled oder Pre-settled Status und für einige weitere Gruppen. Den Gebührenstatus legt die Uni anhand deiner Angaben zu Nationalität, Aufenthaltsstatus und Wohnadressen in der UCAS-Bewerbung fest. Wer unsicher ist, klärt das vor der Bewerbung mit der Uni. Mehr Zahlen im Beitrag Studiengebühren in England.

2. Visum statt Freizügigkeit

Für einen Bachelor brauchst du ein Student visa. Die Antragsgebühr von außerhalb des Vereinigten Königreichs beträgt 558 Pfund, dazu kommt die Immigration Health Surcharge von 776 Pfund pro Jahr für Studierende. Den Antrag stellst du frühestens sechs Monate vor Kursbeginn.

  • Voraussetzung ist eine CAS, die Bestätigung deiner Uni. Die Uni stellt sie aus, wenn du einen Platz sicher hast. Bei einem Conditional Offer heißt das praktisch: nach dem Abiturzeugnis, im Sommer vor Studienbeginn.
  • Finanznachweis: Du musst Studiengebühren für ein Jahr laut CAS und Lebenshaltungskosten nachweisen können, 1.529 Pfund pro Monat in London oder 1.171 Pfund außerhalb, für bis zu neun Monate. Das Geld muss 28 Tage am Stück vorhanden sein, und dieser Zeitraum darf höchstens 31 Tage vor dem Antrag enden.
  • Digitaler Status: Nach erfolgreichem Antrag bekommst du ein eVisa. Physische Aufenthaltsdokumente wurden laut GOV.UK durch eVisas ersetzt.
  • Arbeiten: Bei einem Studium auf Bachelorniveau sind in der Vorlesungszeit in der Regel bis zu 20 Stunden pro Woche erlaubt, außerhalb der Vorlesungszeit auch Vollzeit.

Den Ablauf Schritt für Schritt beschreibt der Beitrag Studentenvisum für Großbritannien.

3. Einreise: Reisepass und ETA

Mit dem Personalausweis kommst du nicht mehr nach Großbritannien, nötig ist ein Reisepass. Für kurze Besuche, etwa zu einem Open Day, einem Interview vor Ort oder zur Wohnungssuche, brauchst du zusätzlich eine Electronic Travel Authorisation (ETA). Sie kostet 20 Pfund und gilt zwei Jahre oder bis zum Ablauf des Passes, je nachdem, was früher eintritt. Wer bereits ein Visum hat, braucht keine ETA.

Praktischer Tipp: Beantrage den Reisepass früh. Du brauchst ihn für den Visumsantrag, und die ETA ist an den Pass gebunden, mit dem du sie beantragst.

4. BAföG: nur noch für einen Auslandsaufenthalt

Ein komplettes Studium fördert das BAföG nur in der EU und der Schweiz von Beginn an. Für Großbritannien ist laut bafög.de seit dem Ende der Übergangsphase grundsätzlich nur noch die Förderung eines Auslandsaufenthalts von bis zu einem Jahr möglich. Die Übergangsregel für alle, die bis 31. Dezember 2020 ein Studium dort begonnen haben, betrifft heutige Bewerbende nicht mehr. Für einen dreijährigen Bachelor in England heißt das: Die Finanzierung muss aus anderen Quellen kommen, etwa aus Stipendien der Unis, Stiftungen oder der Familie.

5. Erasmus+: Rückkehr ab 2027

Nach dem Brexit war Großbritannien kein Erasmus-Programmland mehr. Deutsche Hochschulen konnten Aufenthalte dort nur über einen begrenzten Anteil ihres Budgets für Länder außerhalb des Programms fördern. Das ändert sich: Am 15. April 2026 haben Großbritannien und die EU die Vereinbarung abgeschlossen, mit der das Land 2027 wieder an Erasmus+ teilnimmt. Für ein Austauschsemester im Rahmen eines deutschen Studiums wird Großbritannien damit wieder leichter erreichbar. An den Gebühren für ein komplettes Bachelorstudium ändert das nach den bisherigen Angaben nichts. Welche Partnerunis deine Hochschule anbietet, erfährst du beim International Office.

6. Nach dem Abschluss bleiben

Über die Graduate Route kannst du nach einem britischen Abschluss ohne Arbeitgeber-Sponsoring bleiben und arbeiten. Bei Anträgen bis 31. Dezember 2026 gilt sie zwei Jahre, bei Anträgen ab 1. Januar 2027 nur noch 18 Monate, nach einer Promotion drei Jahre. Wer 2027 einen dreijährigen Bachelor beginnt, sollte also mit 18 Monaten rechnen. Der Antrag kostet laut GOV.UK 937 Pfund plus Gesundheitsabgabe.

Was sich nicht geändert hat

  • Der Bewerbungsweg: Du bewirbst dich weiter über UCAS, mit bis zu fünf Wahlen, einem Personal Statement und einer Referenz. Ein eigenes Verfahren für Deutsche gibt es nicht.
  • Die Anerkennung des Abiturs: Oxford, Cambridge, die LSE und viele andere Unis akzeptieren das Abitur und veröffentlichen eigene Umrechnungen in A-Level-Noten. Wie das für die LSE aussieht, zeigt der Beitrag Welcher Abischnitt reicht für die LSE?.
  • Der Europäische Hochschulraum: Großbritannien ist weiter Vollmitglied des Europäischen Hochschulraums (Bologna-Prozess). Über die Anerkennung eines britischen Abschlusses für einen Master in Deutschland entscheidet die jeweilige deutsche Hochschule.
  • Tests und Interviews: Aufnahmetests wie ESAT, TMUA oder LNAT schreibst du in Testzentren auch in Deutschland, Oxford interviewt online.

Was das für deine Planung heißt

Der Brexit hat ein Studium in England nicht schwerer zugänglich gemacht, aber deutlich teurer und organisatorisch aufwendiger. Zwei Konsequenzen:

  1. Kläre die Finanzierung vor der Bewerbung. Ohne britischen Kredit und ohne BAföG für das Vollstudium entscheidet die Finanzierung darüber, ob du ein Angebot annehmen kannst. Prüf Stipendien der Unis und ihre Fristen deshalb früh.
  2. Plane den Sommer nach dem Abitur. Abiturzeugnis an die Uni, Englischnachweis, CAS, Finanznachweis über 28 Tage und Visumsantrag fallen in wenige Wochen. Wer Pass und Konto früh vorbereitet, hat Luft.

Den gesamten Ablauf von der Kurswahl bis zur Zusage erklärt der Hauptartikel UCAS-Bewerbung mit Abitur.

Häufige Fragen

Kann man nach dem Brexit noch in England studieren?

Ja. Die Bewerbung läuft unverändert über UCAS, und britische Unis akzeptieren das Abitur. Neu sind internationale Studiengebühren, das Studentenvisum und die Einreise mit Reisepass.

Zahlen EU-Studierende in England noch dieselben Gebühren wie Briten?

In der Regel nicht. Wer ab dem Studienjahr 2021/22 beginnt und keinen Settled oder Pre-settled Status hat, zahlt internationale Gebühren und hat keinen Anspruch auf britische Studienkredite.

Gibt es BAföG für ein Studium in Großbritannien?

Für ein komplettes Studium nicht. Laut bafög.de ist für Großbritannien grundsätzlich nur die Förderung eines Auslandsaufenthalts von bis zu einem Jahr möglich.

Ist Großbritannien wieder bei Erasmus dabei?

Ja, ab 2027. Großbritannien und die EU haben die Vereinbarung im April 2026 abgeschlossen. Das betrifft Austauschaufenthalte, nicht die Gebühren für ein komplettes Studium.

Brauche ich für ein Interview in England ein Visum?

Für einen kurzen Besuch reichen Reisepass und ETA. Die ETA kostet 20 Pfund und gilt zwei Jahre oder bis zum Ablauf des Passes.

Dein nächster Schritt

Wenn du wissen willst, welche britischen Unis zu deinem Abischnitt passen, mach den kostenlosen UK-Chancen-Check. Gebühren, Visum, Finanzierung und Bewerbung erklärt Schritt für Schritt auch das Buch Erfolgreich zum Studium in Großbritannien.

Über den Autor

Tom Schwarte studiert Philosophy, Politics and Economics an der London School of Economics und hat LernVia 2025 zusammen mit Paul Jung gegründet. Paul studiert an der HSG und hat den Aufnahmetest 2024 unter den besten 4 % bestanden. Bei LernVia arbeiten Studierende mit, die das Auswahlverfahren ihrer Hochschule selbst durchlaufen haben.

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