Studiengebühren in England: was ein Studium für deutsche Studierende wirklich kostet
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Seit dem Brexit zahlen deutsche Bewerbende in England keine EU-Gebühren mehr, sondern den vollen internationalen Satz. Der Unterschied ist erheblich: Wo britische Studierende 9.790 Pfund pro Jahr zahlen, liegen die Gebühren für deutsche Studierende je nach Uni und Fach zwischen etwa 27.000 und 63.000 Pfund. Dieser Artikel zeigt die konkreten Zahlen für den Studienbeginn 2026/27 und die Kosten, die in keiner Gebührentabelle stehen.
Home oder Overseas: warum dein Gebührenstatus alles entscheidet
Britische Unis teilen alle Studierenden in zwei Kategorien ein: „Home" und „Overseas". Der Status entscheidet über die Höhe der Studiengebühren und darüber, ob du staatliche Studienkredite bekommst.
Bis 2020 galten deutsche Bewerbende als Home-Studierende. Seit dem Studienjahr 2021/22 ist das vorbei. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat und in Deutschland lebt, wird in der Regel als Overseas eingeordnet. Ausnahmen gibt es nur für Personen mit „settled" oder „pre-settled status" in Großbritannien oder mit langjährigem Wohnsitz im Vereinigten Königreich.
Zwei Konsequenzen ergeben sich daraus:
- Du zahlst den internationalen Gebührensatz, der von jeder Uni selbst festgelegt wird und nicht staatlich gedeckelt ist.
- Du hast keinen Anspruch auf den britischen Tuition Fee Loan. Die Gebühren müssen vor Semesterbeginn tatsächlich vorhanden sein.
Studiengebühren 2026/27 im Überblick
Die Gebühren unterscheiden sich nicht nur zwischen Unis, sondern deutlich stärker zwischen Fächern. Geisteswissenschaften liegen am unteren Ende, Wirtschaftsfächer und Labor- oder Medizinstudiengänge am oberen.
| Universität | Gebühren pro Jahr (Overseas) | Hinweis |
|---|---|---|
| Oxford | 37.380 bis 62.820 Pfund | College-Gebühr ist enthalten, Medizin liegt darüber |
| Cambridge | 29.052 bis 70.554 Pfund | zusätzlich College Fee von rund 11.500 bis 14.950 Pfund pro Jahr |
| LSE | 28.900 bis 39.900 Pfund | BSc Economics 39.900, BSc Management 35.700, BA History 28.900 |
| Warwick | 27.870 oder 35.530 Pfund | zwei Bänder, Economics und Warwick Business School im höheren Band |
| UCL, Imperial, King's | je Studiengang unterschiedlich | Gebühr steht auf der jeweiligen Kursseite, nicht in einer Gesamttabelle |
| Vergleich: britische Studierende | 9.790 Pfund | staatlich gedeckelt, steigt 2027/28 auf 10.050 Pfund |
Cambridge ist der Sonderfall in dieser Liste. Die untere Zahl klingt günstiger als LSE, aber die College Fee kommt jedes Jahr zusätzlich obendrauf. Rechne bei Cambridge immer beide Posten zusammen, sonst planst du rund 12.000 Pfund pro Jahr zu niedrig.
Wird die Gebühr während des Studiums teurer?
Das ist eine der wichtigsten Fragen, weil sie über drei Jahre einen fünfstelligen Unterschied macht, und die Antwort hängt von der Uni ab.
LSE, UCL und Cambridge arbeiten mit einer Kohortengarantie: Die Gebühr wird im Jahr deines Studienbeginns festgesetzt und bleibt für die gesamte Studiendauer gleich. Oxford erhöht die Gebühren dagegen jährlich. Wer sich für Oxford entscheidet, sollte in der Finanzplanung mit einer Steigerung von einigen Prozent pro Jahr rechnen.
Was in der Gebührentabelle nicht steht
Die Studiengebühr ist der größte, aber nicht der einzige Posten. Diese Kosten fallen zusätzlich an und werden regelmäßig übersehen:
- Lebenshaltungskosten. Die LSE empfiehlt Studierenden, mit rund 1.550 Pfund pro Monat zu rechnen. In Cambridge liegt die offizielle Schätzung bei etwa 1.305 Pfund monatlich. Über neun Studienmonate sind das je nach Standort 12.000 bis 14.000 Pfund pro Jahr.
- Studentenvisum. Die Antragsgebühr liegt bei 558 Pfund. Dazu kommt der Immigration Health Surcharge für den Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem, für Studierende 776 Pfund pro Jahr, zahlbar im Voraus für die gesamte Visumsdauer.
- Finanzieller Nachweis für das Visum. Für ein Studium in London musst du zusätzlich zu den Gebühren 1.529 Pfund pro Monat für bis zu neun Monate nachweisen, maximal 13.761 Pfund. Außerhalb Londons sind es 1.171 Pfund pro Monat, maximal 10.539 Pfund. Das Geld muss 28 Tage lang ununterbrochen auf dem Konto liegen.
- Sprachnachweis. IELTS oder TOEFL kosten in Deutschland rund 240 bis 270 Euro. Ob du einen Test brauchst, hängt von der Uni ab.
- Einmalkosten. Mietkaution, Flüge, Erstausstattung, Bettwäsche, Laptop. Realistisch 1.000 bis 2.000 Pfund im ersten Monat.
Eine realistische Gesamtrechnung
Ein englischer Bachelor dauert drei Jahre, ein schottischer vier. Das ist beim Kostenvergleich mit Deutschland wichtig: Drei Jahre in England entsprechen sechs Semestern, nicht mehr.
Beispielrechnung für einen dreijährigen wirtschaftsnahen Bachelor in London bei einer Gebühr von 35.700 Pfund:
- Studiengebühren: 3 mal 35.700 Pfund gleich 107.100 Pfund
- Lebenshaltung bei 1.550 Pfund über je 9 Monate: rund 41.850 Pfund
- Visum und Gesundheitsabgabe: rund 3.000 Pfund
- Flüge, Kaution, Erstausstattung, Sprachtest: rund 3.000 Pfund
Summe: etwa 155.000 Pfund über drei Jahre. Bei einem Studiengang mit 28.900 Pfund Gebühr und günstigerer Wohnsituation außerhalb Londons kommst du auf rund 105.000 bis 115.000 Pfund. Bei Oxford Medizin liegt die Zahl deutlich über 200.000 Pfund.
Rechne außerdem mit einem Wechselkurspuffer. Alle Zahlen sind in Pfund fällig, dein Budget ist in Euro. Eine Kursbewegung von zehn Prozent verschiebt bei 150.000 Pfund die Gesamtkosten um einen fünfstelligen Eurobetrag.
Wie sich das finanzieren lässt
Es gibt keine einzelne Lösung, sondern eine Kombination. Die drei realistischen Bausteine:
Auslands-BAföG deckt kein komplettes Studium in England. Seit dem Brexit ist Großbritannien für BAföG-Zwecke ein Land außerhalb der EU. Gefördert werden kann nur ein Auslandsaufenthalt von bis zu einem Jahr, der in ein Studium in Deutschland oder der EU eingebettet ist. Ein dreijähriger Bachelor an einer britischen Uni fällt nicht darunter.
Stipendien der Unis. Fast alle britischen Unis haben Fonds für internationale Studierende, sie sind aber stark umkämpft und decken selten die volle Gebühr. Wichtig: Die Bewerbungsfristen für Stipendien liegen oft vor oder unmittelbar nach der UCAS-Bewerbung. Wer erst nach dem Offer sucht, ist zu spät.
Bildungskredite und Bildungsfonds. Deutsche Anbieter finanzieren auch Studiengänge im Ausland. Die Konditionen unterscheiden sich stark, ein Vergleich lohnt sich vor der Bewerbung, nicht danach.
Der Punkt, der vor der Kostenfrage kommt
Bevor du eine Gesamtsumme durchrechnest, brauchst du eine realistische Liste von Unis. Bei fünf UCAS-Plätzen entscheidet die Auswahl über die Kosten stärker als jede Sparmaßnahme: Zwischen einem Studiengang für 28.900 Pfund und einem für 39.900 Pfund liegen über drei Jahre mehr als 30.000 Pfund, bei ähnlichem Abschlussniveau.
Welche UK-Unis passen zu deinem Abischnitt?
Der UK Chancen-Check fragt Abischnitt, Klassenstufe und Aktivitäten ab und gibt dir drei konkrete Uni-Empfehlungen zurück: eine Reach, eine Match und eine Safe. Dauert zwei Minuten und kostet nichts.
Häufige Fragen
Zahlen deutsche Studierende in England EU-Gebühren?
Nein. Seit dem Studienjahr 2021/22 gelten deutsche Bewerbende ohne britischen Wohnsitzstatus als Overseas-Studierende und zahlen den internationalen Satz.
Sind Studiengebühren in Schottland günstiger?
Für internationale Studierende nicht systematisch. Schottische Unis setzen ihre Overseas-Gebühren ebenfalls selbst fest. Der wichtigere Unterschied ist die Studiendauer: Ein schottischer Bachelor dauert in der Regel vier Jahre, also ein Jahr mehr Gebühren und Lebenshaltung.
Kann ich in England als Studierende arbeiten?
Mit einem Studentenvisum für einen Bachelor-Studiengang sind während der Vorlesungszeit bis zu 20 Stunden pro Woche erlaubt, in den Ferien mehr. Für die Visumsbewilligung zählt dieses Einkommen aber nicht: Du musst die geforderte Summe vorher nachweisen.
Wann muss die erste Gebühr bezahlt werden?
In der Regel zu Beginn des Studienjahres, häufig in mehreren Raten pro Jahr. Für den Visumsantrag musst du entweder die erste Jahresgebühr bereits bezahlt haben oder den offenen Betrag als Guthaben nachweisen.
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Alle Angaben beziehen sich auf den Studienbeginn 2026/27. Gebühren werden jährlich neu festgesetzt, prüfe vor der Bewerbung immer die aktuelle Kursseite deiner Uni.